Cerebus

Was haben Conan der Barbar und der Papst gemeinsam? In beide Rollen ist Cerebus the Aardvark (engl. Erdferkel) schon geschlüpft. In seiner 27- jährigen Geschichte wurde die Comicfigur außerdem zum Premierminister gewählt, diskutierte mit Hemingway und Fitzgerald, liess sich als Schafhirte nieder, wurde geliebt und wurde gehasst. Jetzt erscheint der Band Church & State in Spanien und Frankreich und am 10. Oktober auch als digitale Version.

Wie eine kleine Planierraupe zog der Comic durch die 70er, 80er und 90er Jahre und endete nach 300 monatlichen US-Heften im März 2003 mit dem Tod des Erdferkels. Für Aufmerksamkeit sorgte dabei weniger seine gut erzählte Geschichte, sondern vielmehr die kruden Thesen des Autors. Gesteuert wurde die Planierraupe von dem kanadischen Selbstverleger Dave Sim, der seinen Comic leider als demagogisches Pamphlet verwendete.

Noch zu den Anfängen von Cerebus (1979) hatte Sim die glorreiche Idee, seine Comicserie erst mit Ausgabe 300 und dem Tod seines Antihelden enden zu lassen. Er ist diesem Vorhaben bis zum Schluss treu geblieben und reklamiert seitdem, die längste zusammenhängende Comicgeschichte aus einer Feder verfasst zu haben. 6000 Seiten bestätigen diesen Rekord. Was jedoch weniger erfreulich an der Geschichte war, dass Sim nach zwei Dritteln nicht nur mit guten Persiflagen von prominenten Persönlichkeiten (Margret Thatcher, die Stones, etc.) und einem Überblick über die gegenwärtige Comiclandschaft aufwarten konnte, er wollte seine gewonnen Leser nun auch von seinen Lehren überzeugen. Sim wetterte in langen Aufsätzen (tangents), die er im Comic immer mehr in den Vordergrund drängte, gegen das gesamte weibliche Geschlecht: Sie seien wie schwarze Löcher, die dem Manne seine Kreativität rauben. Die Leserschaft blieb aus, während sich das Erdferkel seinerseits in langen Dialogen mit Woody Allen verstrickte und schließlich starb – einsam und allein, wie versprochen.

Warum man Cerebus dennoch lesen sollte? Ich z.B. habe meine Magisterarbeit den einzelnen Übergängen, den cliffhangers, zwischen den einzelnen 24seitigen Heften gewidmet: Wie verbindet Sim ein narratives Segment mit dem nächsten? Was passiert, wenn ein Leser einen Monat lang auf die Auflösung einer Situation warten muss? Als weiteren Grund ist das Lettering zu nennen. Bei wenig anderen Comics nimmt die Schrift ein so wunderbares Eigenleben an. Doch Sim war nach Cerebus nicht in der Lage den Funken auf Comicprojekten wie Judenhass und Glamourpuss überspringen zu lassen. Es wurde still um ihn.

Plötzlich ist er wieder da. Obwohl es keine neuen Cerebus-Geschichten gibt, macht Sim von sich hören. In der letzen Ausgabe von Glamourpuss klagt er über seine Geldnote. Kim Thompson, Mitherausgeber des einflussreichen Comicmagazins The Comics Journal hat Sim daraufhin angeboten, ausgewählte Sammelbände von Cerebus neu zu verlegen. Die beiden waren in der Vergangenheit schon keine Freunde und die gesamte Online-Diskussion zeigt, warum Sim so unausstehlicher Kerl ist. Doch seine Comics sind leider verflucht gut.

Gleichzeitig hat John Scrudder, ein Fan, ein Kickstarter-Projekt ins Leben gerufen, das Geld sammelt, um Cerebus‘ Aufstieg zum Papst und Premierminister in Church & State als digitale Version zu produzieren und auch Sim von den Einnahmen profitieren zu lassen. Statt den erwünschten 6.000 Dollar zahlten die 1140 Backer die stolze Summe von 63.634 Dollar. Sicherlich auch um sich die begehrten Spenderprämien – ein halbstündiges Telefonat mit Sim, siginierte Originale, etc. – zu sichern.

Am 10. Oktober soll die Special Audio/Visual Digital Edition von Chruch & State nun erhältlich sein. Obgleich es hieß, dass der Comic unübersetzbar sei, ist sowohl eine spanische sowie eine französische Version auf dem Markt. Eine deutsche Übersetzung ist nicht in Sicht.

Tägliche Updates zu Cerebus finden sich auf den Blog A Moment of Cerebus.