Warum dauert das eigentlich so lange?

Warum dauert das eigentlich so lange?

Warum dauert das eigentlich so lange, bis es wieder was zu lesen gibt? Stimmt, es ist sehr still geworden auf meinem Blog, da mich meine social media-Arbeit voll im Griff hat. Der Block auf dem Blog soll jetzt aber eine Ende haben. Um die Zäsur nicht einfach unkommentiert stehen zu lassen, will ich noch kurz erklären, was ich in den letzten Monaten so geschrieben habe, denn ganz so untätig war ich ja auch nicht.

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Rezension: "Black Hole"

Unter dem Titel „Jugend, seziert“ ist meine Rezension zu Charles Burns‘ Black Hole erschienen:

In Amerika ist Charles Burns ein gefragter Illustrator und bekannter Comic-Künstler. Seine Veröffentlichungen in Art Spiegelmanns Comicmagazin RAW und sein Plattencover für Iggy Pop weckten das Interesse an seinen glatten, schwarz-weißen Zeichnungen und für die albtraumhaften Visionen, die sich dahinter verbergen. In seinen Comics verbindet Burns die Nostalgie für die Horror-Comics der 1950er Jahre mit seinem Interesse an mexikanischen Wrestlern und eingelegten Föten. Mit seinem Zeichenzeug seziert er unsere Gesellschaft. Zum Vorschein kommt Verdrängtes. Endlich ist nun auch sein Magnus Opus Black Hole in deutscher Fassung erschienen.

Die komplette Rezension findet sich bei ZEIT Online.

Rezension: "X’ed Out"

Pioniere sind Menschen, die dort hingehen, wo zuvor noch niemand war. Charles Burns einen Pionier zu nennen, würde vielleicht auf den ersten Blick etwas seltsam anmuten, da sein X’ed Out zu Teilen aus Anspielungen auf anderen Comics zusammengestückelt ist. Ein Pionier ist er aber nicht aufgrund seiner Geschichte, sondern durch die Art und Weise wie er sie erzählt, denn das ist wirklich Comic-Neuland:

Eine 56seitige Hommage also, an den Großmeister der Ligne Claire, Hergé, und den frankobelgischen Comic? Auch wenn Burns die Ligne Claire für seine Zwecke verwendet, so stehen seine klaren Linien doch im Widerspruch zu den Dingen, die dort abgebildet werden: unterirdische Ströme, Menschen mit Masken, Gedärme, Alptraumvisionen – Hintergründiges. Burns stellt dem Begriff Klarheit, der sich auf die Darstellungsebene bezieht, eine fragmentierte Handlung gegenüber, die an William Burroughs‘ (Naked Lunch) cut-up-Technik erinnert.

Die komplette Rezension findet sich auf www.comicgate.de.

Hingeschaut (20): Unheimliche Anziehungskraft

Fasst man alle Kunstrichtungen der Jahrhundertwende zusammen, entsteht ein subversiver Strom unter der bürgerlichen Oberfläche, der sich verzweigt, gabelt, nur um anschließend wieder von einer neueren Strömung überflutet zu werden: Symbolismus, Surrealismus, Expressionismus, Impressionismus oder Dadaismus. Was aber, wenn all diese Strömungen nicht gegen, sondern miteinander arbeiten.

Das Ergebnis eines solches Amalgams ist X’ed Out, der neuste Comic von Charles Burns. Doch bevor meine Einleitung zu ausufernd wird, fangen wir mit dem Hinschauen an:

Da jeder Strom irgendwo seinen Ursprung, seine Quelle, hat, schauen wir uns diesmal die erste Seite des Comics an. Überspringen wir zunächst die ersten Panels der Seite, die derer acht hat, und schauen gleich auf das abschließende achte Panel, das Panel der Woche (ja, ich bin irgendwie aus dem Rhythmus gekommen, bin aber noch dran).

Wir sehen einen Raum, einen konstruierten Raum. Mit dem Rücken zur vierten Wand blicken wir vorbei an einer Figur, die noch im Bett sitzt, auf die gegenüberliegende Wand, die aus roten Ziegelsteinen besteht. Im Kontrast zur Realität des Roten Bollwerks stehen die beiden anderen Wände, die Decke und der Boden.

Seltsam ist das Zusammenspiel der Inneneinrichtung, weil die braune Vertäfelung, deren Farbe im dunklen Schatten untergeht (die rechte Wand liegt vollends im Dunkeln) nichts mit dem Rot der Ziegelsteine zu tun haben scheint. Während das Braun eine Inneneinrichtung impliziert, verweist die rote Mauer eher auf eine Außenwand. Ein büroraumfarbenes Grau an der Decke und ein Radiergummiorange für den Teppich geben dem Raum einen simplen Anstrich. Der gesamte Raum wirkt unnatürlich gedehnt, da am anderen Ende keine Möbel stehen.

Nach einer kurzen Orientierung fällt mein Blick auf das schwarze Loch in der Mauer. Obwohl das Loch nicht der Fluchtpunkt des Raumes ist, deuten alle Indizien im Raum wie Wegweiser unweigerlich auf diese Leerstelle hin: Die Kopfhaltung der Figur, der Blick der schwarzen Katze, die vor dem Loch sitzt, die Sprechblase, die aus dem Loch hervor kommt: „BZZZZZ„. Das Loch baut eine Anziehungskraft auf, die den Blick förmlich, wie bei einem Strom, mitreißt.

Für einen Moment lenkt dieses letzte Panel, dieses schwarze Loch, von allem was zuvor geschehen ist, ab. Die ganze Komposition der Seite wird verstört: Das langsame Erwachen der Figur, die Ähnlichkeit zu Hergés Tim, der unzuverlässigen Erzähler aus dem Off – „This is the only part I’ll remember“ – und die grafischen Anleihen an die ligne claire. Alles wirkt unecht.

In nur einem einzigen Panel erzeugt Burns einen solchen Sog, dass die gesamte Realität, von der Vertäfelung der Wände bis hin zur schwarzen Katze wie eine bloße Fassade wirkt. Es ist die Welt hinter diesem Loch, die erst den Blick für den eigentlichen Strom der Stilrichtungen eröffnet. Doch so weit möchte ich heute nicht mitreißen. Soll doch das schwarze Loch seine Sogkraft beweisen, und neue Leser für X’ed Out ansaugen.

Abbildung: © Pantheon Books/Charles Burns