Ausstellung: Geduldig wie Gouache auf Reispapier

Vergangenen Freitag war ich zu Gast in Armin Abmeiers Galerie „Die tolle Galerie“ und stand fasziniert vor den Werken von Blexbolex. Es ist schön zu sehen, dass München nicht versucht den deutschen Comicstädten Berlin und Hamburg nachzueifern, sondern seine ganze eigene Definition von Kunst hat und diese nun einen Ort gefunden hat, um sich zu präsentieren:

„Halleluja Berlin! Alle wollen dahin“ singt Rainald Grebe so schön in seiner Hommage an Brandenburg – und auch viele Comickünstler sind dem Ruf in die Hauptstadt gefolgt. Dort kann es gerne mal passieren, dass man sich auf der Geburtstagsfeier eines jungen, aufstrebenden Künstlers gleich von der ganzen deutschen Comicszene umringt findet. In München dagegen sieht das etwas anders aus: Während in den Achtzigern die bayerische Metropole mit verschiedenen Magazinen ihr goldenes Comiczeitalter feierte, geht man nun alles etwas geduldiger an.

Den kompletten Bericht über die Vernissage findet man auf www.tagesspiegel.de.

… öffentlich zur Schau gestellt.

Bei einem privaten Ausflug in die wunderschöne Stadt Basel, die nur so von Museen übersät ist, stattete ich dem ansässigen Karikatur und Cartoon Museum einen Besuch ab. Obwohl es über 3400 Einzelstücke beherbergt, gibt es keine festen, sondern nur wechselnde Ausstellungen, die jedoch mit viel Liebe zum Detail gestaltet sind. Zumindest bei der derzeitigen Ausstellung mit dem Thema „Erotik“ hat man mit der Liebe und dem Ausleben der damit verbundenen Fantasien nicht gespart.

Vom 29.4.2009 – 27.9.2009 finden sich hier um die hundert interessante Exponate aus drei Jahrhunderten, die alle zwei Dinge gemeinsam haben:
  1. Alle Exponate nehmen sich dem verbotenen menschlichen Bedürfnis, der Erotik, an.
  2. Alle Exponate eröffnen dem Betrachter über den Umweg der Satire einen ganz eigenen Zugang zum Verbotenen.
Dabei schöpft der Kurator aus dem reichhaltigen eigenen Fundus und vielen Leihgaben, die zu großen Teilen aus der Sammlung Dachs in Regensburg stammen. So findet man herrlich leichte Anzüglichkeiten von Olaf Gulbranson, neben den grafisch eingefangenen, sexuellen Fantasien des selbsternannten Erotomanen Tomi Ungerer. Mit Andreas Gefe (siehe Bild) sind auch Künstler vertreten, die mit ihren Arbeiten diese Grauzone zwischen Liebe und Pornografie bestechend wiedergeben.

Großer Wert wurde bei der Ausstellung vor allem auf die Ausführung gelegt. So wurden für die deutsche Übersetzung von Nicolas Mahlers Emmanuelle’s Last Flight (erschienen bei L’Association 2001), die so auf dem deutschen Markt nicht erhältlich ist, extra fünf Reihen von Flugzeugsitzen aufgestellt. Dort können Interessierte den Monologen des Protagonisten folgen, der geschickt versucht, seiner ehemaligen Gespielin deutlich zu machen, dass sie zu alt sei, um weiterhin seine Mätresse zu sein. Wie bei allen Mahler-Cartoons, ist es ein Vergnügen zuzusehen, wie seine Protagonisten aus voller Überzeugung grandios scheitern.

Eine weitere Ergänzung zu der Sammlung stellen je fünf großformatige Arbeiten von Kati Rickenbach und Sascha Hommer mit dem Titel „Liebesgeflüster“ dar, die versuchen, das Liebesleben der Großstadtbewohner durch einen Ausspruch und ein entsprechendes Porträt der Figur einzufangen. Die feinen Nuancen, mit denen einige der Comic-Großmeister ihre Betrachter förmlich zum Hingucken verlocken, fehlen diesen Bildern leider.

Nichtsdestotrotz sei ein Besuch des Museums jedem nur wärmstens ans Herz gelegt. Egal ob dem Betrachter die Augen übergehen, wenn die Figuren eines Rudi Hurzlmeier ihre besten Stücke auspacken, oder wenn in kommenden Ausstellungen die Werke von Anna Sommer und Noyau präsentiert werden.